Entspannter Morgen mit (T)rotzgöre

Kurz nach der Geburt von Karli gab es bei uns jeden Morgen Dramen, Streit und schlechte Laune beim Thema Anziehen. Noch bevor wir in der Kita angekommen sind, standen Tränen und Geschrei plötzlich auf der Tagesordnung. „Ich will das nicht anziehen. Ich will mich gar nicht anziehen. Ich will den Badeanzug.“ Gefühlt hat sie sich jeden Morgen eine andere Aurede gesucht, um uns zur Weißglut zu bringen. Dabei hatten wir lange vorher geübt, wie das mit dem selbst anziehen funktioniert, denn dadurch haben wir uns einen leichteren Alltag mit zwei Kindern erhofft. Diese Rechnung haben allerdings ohne die Dreijährige gemacht. Nach zwei Wochen war ich völlig fertig, mir graulte es vorm Aufstehen und uns war klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Inzwischen sitzen wir morgens wieder fröhlich am Frühstückstisch, gemeinsam und ohne vorangegangene Streiterein. Wie wir dahin zurück gefunden haben und was uns bei unserem morgendlichen Ritual hilft, verrate ich euch.

Die wichtigste Erkenntnis war wohl, dass wir was ändern müssen. Damit meine ich hauptsächlich papAhoi und mich, nicht dass wir etwas am Kind ändern müssen. Mehr beobachten, horchen, nachfragen und ausprobieren… und vor allem uns selbst in Geduld üben. Doch mit der Zeit wurde es wieder besser, langsam aber merklich.

„Mama, warum pustest du andauernd so laut?“
(Das Kind ertappt mich beim Versuch, mich an einem wirklich Nerven zerrenden Vormittag selbst zu beruhigen.)

Was wir verändert haben?

Vorbereitung ist alles
Wir haben in den letzten Monaten wirklich gute Erfahrungen damit gemacht, die Sachen für den nächsten Tag bereits am Vorabend auszusuchen. Das machen wir gemeinsam, ich schlage ein paar Teile vor und lasse sie wählen. So sparen wir uns am Morgen Zeit, die mit Spielen, kuscheln oder trödeln verbracht werden kann.

Aus den Augen aus dem Sinn
Meine eigenen Fehler habe ich schnell erkannt. Seit der Badeanzug-Diskussion sehe ich den Kleiderschrank viel häufiger durch. Werden Sandalen im späten Herbst nicht gesehen, will sie auch niemand anziehen. Seitdem die Badesachen nicht mehr neben der Unterwäsche im gleichen Schrankfach liegen, werden sie auch nicht vermisst. Geht mir doch mal was durch die Lappen, dann finden wir einen Kompromiss (Wechselsachen mit in die Kita nehmen, was zum Überziehen dabei haben).

Flexibel sein
Heute so, morgen so. Seitdem ICH wieder flexibel bin, auf Wunsch beim Anziehen helfe oder sie gar mal komplett anziehe, läuft es in der Regel sehr entspannt. Meistens zieht sie sich inzwischen alleine an, doch es gibt immer wieder Tage, an denen das scheinbar unmöglich zu sein scheint. Zwar habe ich dafür den ein oder anderen „Die-tanzt-dir-ja-ganz-schön-auf-der-Nase-herum“- Seitenhieb oder Blick kassiert, doch für unseren Familienfrieden war mir das zunächst egal. Dass meine Intuition sogar goldrichtig war, habe ich erst begriffen, als ich gerade das Hörbuch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ gehört habe.

Durch unser verändertes Morgenritual – aufstehen, alleine anziehen, frühstücken – haben wir einiges an Nähe verloren. Vorher haben wir morgens noch gekuschelt, ich habe sie fertig gemacht und wir hatten alle Zeit der Welt, so dass wir entscheiden konnten, ob wir uns erst anziehen oder im Schlafanzug frühstücken wollen. Jetzt rennt Mami schon am frühen Morgen mit dem Baby auf dem Arm rum und Smarti soll alles alleine machen, nur weil sie es kann. Sie ist ein sehr kuscheliges Kind, vor allem am Morgen. Die Änderung unseres Ablaufes muss für sie gewesen sein, als hätte man ihr morgens die Bettdecke weggerissen und sie unter die kalte Dusche gestellt. Gut, dass wir das schnell wieder geändert haben.

MAMI – Trau dich was
Neulich hat jemand zu mir gesagt: „Ich dachte früher immer, einige Leute ziehen ihre Kinder aber echt voll hässlich an. Jetzt weiß ich, dass die nur Kinder haben, die ihre Sachen selbst aussuchen dürfen.“ Manchmal gehört wirklich viel Mut dazu, das eigene Kind aus dem Haus zu lassen, wie es möchte. Bei uns sind Kleider, Glitzer, Einhörner und noch mehr Glitzer gerade voll im Trend und da kann es schon mal vorkommen, dass über der Baggyjeans ein Tütü angezogen wird oder Gummistiefel zum schönsten Sonntagskleid ausgesucht werden. Ich biete mittlerweile nur noch Alternativen oder mildernde Eränzungen an und nehme eine Beraterfunktion ein. Glaubt mir: das Augenzucken verschwindet irgendwann.

Von meiner Schwester habe ich außerdem mal einen super Tipp bekommen. Im Kindergarten werden die Kleinen in der Regel so mistig, dass einmal Umziehen an der Tagesordnung steht. Ich nehme also manchmal einen kleinen Papageien mit in die Kita und sorge dafür, dass die Wechselklamotten dort passender sind. Zurück bekomme ich dann oft eine etwas augenfreundlichere Version meiner Smarti. Und hey…. Manchmal hat sie es sogar drauf mit ihren verrückten Outfits rein zufällig etwas ganz wunderhübsches zu kreieren.

Ausnahmen machen
Mal Ausnahmen zu machen, ist mir immer besonders schwer gefallen. Stets hatte ich Angst, dass gleich was einreißt, ab morgen dann alles aus dem Ruder läuft und das Kind immer wieder nach der „Ausnahme“ verlangt. Heute denke ich nur: Was für ein Bullshit. Jeder hat mal einen schlechten Tag und braucht mal mehr und mal weniger Zuneigung. Gerade beim eigenen Kind sollte es doch nicht allzu schwer fallen Rücksicht darauf zu nehmen, oder?! Druckmittel à la: Ich geh gleich ohne dich, wenn du dich nicht fertig machst. Tschühüüüß.“ sind für mich daher ein absolutes NoGo.

Ich bin wirklich froh, dass unsere Streitereien Schnee von gestern sind und wir wieder entspannt in den Tag starten. Natürlich gibt es immer wieder Tage, an denen einfach gar nichts passt. Aber was ist schon ein schlechter Tag in zwei Wochen gegenüber täglichem Gezeter.

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr auch solche „Phasen“? Wie meistert ihr sie oder sucht ihr noch nach einem Patentrezept für euch?

5 Gedanken zu “Entspannter Morgen mit (T)rotzgöre

  1. Huhu
    bei uns ist aktuell die gleiche Konstellation wie bei euch. Unsere Großmaus ist gerade drei gewesen (seit Sonntag ist sie nun 4), als einen Monat später plötzlich die kleine Schwester kam (Hilfe die wird in einem Monat auch schon 1 Jahr). Erst fing es ganz gut an. Aber schnell kamen genau die gleichen Diskussionen und Streitpunkte wie bei euch. Die Morgende verliefen teilweise sehr chaotisch und mit viel Knatsch. 100%ig gebessert hat es sich noch nicht, aber gibt nicht mehr ganz so viel Ärger. Wobei das natürlich auch tagesformabhängig ist. Ich mache es aber inzwischen auch so, dass ich abends schon Klamotten für den nächsten Tag richte (dann weiß wenigstens auch der Papa, was er der Großmaus anziehen soll). Außerdem helfen wir nach wie vor beim Abziehen, wenn sie es will. Die Erzieherin im Kindergarten hat uns darin auch bestätigt, denn wirklich alleine anziehen müssen sich Kinder erst können, wenn sie Schulanfänger sind. Erwartet man zu viel von den Kindern, kann das in Frust, Ärger und Wut umschlagen und damit ist ja auch niemandem geholfen. Und ich denke eure Smarti und unsere Großmaus haben genug daran zu knabbern, dass nach 3 Jahren Mama exklusiv plötzlich eine kleine Schwester mit im Boot sitzt.
    Danke für deinen tollen Text 😘

    Gefällt 1 Person

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